Casting

Casting – mein Thema in dieser Woche und auch noch in der kommenden. Während in Deutschland ein gewisser Menowichtel (oder so) seine Pause zwischen Knast und verdienter völliger Bedeutungslosigkeit (das Loch ist schon geschippt) bei Herrn Bohlen verbringt, wird hier drüben bei American Idol wirklich gesungen. Toll was die hier für Talente haben – wer mehr sehen will findet es im www.

Ich habe echt so meine Probleme mich zu entscheiden welcher der drei Topkandidaten da so gewinnen sollte, aber zum Glück bin ich ja nicht Juror.

Dafür habe ich im Moment so mein ganz eigenes Casting, denn ich suche einen neuen Mitarbeiter. Und da staunt man mal wieder über die USA, bzw. muss im Vorfeld viel lernen.

In dem Land, in dem man von Menschen, die wegen einem Kapitalverbrechen vor Gericht stehen sogar die SMSen der letzten Monate im Internet und den Medien präsentiert bekommt, gelten nämlich gerade bei Arbeitsverhältnissen ganz seltsame Regeln.

Zunächst einmal bekommt man normalerweise keine Bewerbungsunterlagen geschickt, sondern einen ein- bis zweiseitigen Brief mit einer Zusammenfassung der Ausbildung, bisherigen Jobs und (wenns gut gemacht ist) auch der zukünftigen Ziele. Dünn…aber es gibt ja dazu das Interview, um sich Zeugnisse anzusehen und mit geschickten Fragen mehr zu erfahren. Und geschickt muss man wirklich sein, denn man darf keine persönlichen Fragen stellen!

Bestenfalls Hobbies – nicht mehr. Nicht nach dem Alter! Nicht nach Familie und wenn das eine Auge 5 Zentimeter tiefer als das andere hängt auch nicht, ob es Probleme mit der Sehkraft oder Einschränkungen beim Autofahren gibt. Und nach einer gültigen Aufenthaltserlaubnis darf man eigentlich auch nicht fragen (ok – das kann man mit der Frage nach einem gültigen Reisepass umgehen). Hautfarbe und Geschlecht darf auch nicht gefragt werden, aber nachdem ich ja keine Leistungssportlerin suche mache ich mir bei der Geschlechtsfrage weniger Sorgen und die Hautfarbe ist mir wurscht.

Und so sitzt man jemand gegenüber und versucht anhand des Lebenslaufes und der grauen Haare einzuschätzen ob er schon über Sechzig ist. Gut dass fast jeder gerne über seine Kinder redet und wenn dann auch Enkelkinder erwähnt werden weiss man zumindest dass „Ich will noch mindestens 25 Jahre arbeiten!“ eher wohl 10 bis 15 Jahre werden.

Und warum das alles? Weil Arbeitnehmer über 40 gesetzlich vor Altersdiskriminierung geschützt sind (was mich als 43jährigen doppelt deprimiert)! Und so kommt es dass viele Arbeitnehmer überhauptkeine Ahnung haben, wie alt Ihre Mitarbeiter sind… Seltsames Land!

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12 Antworten to “Casting”

  1. Äähhhh,ja….. sehr strange da bei euch :mrgreen:

  2. Kann ich bei Dir arbeiten?? 🙂

  3. was kannste denn?

  4. Hallo,

    tschuldigung, dass ich hier so reinplatze (immerhin kenne ich Frau Hirnwirr, ueber ihren Blog habe ich hierher gefunden – ich hoffe, sie ist so nett und dient als Referenz) … aber da muss ich doch mal nachhaken:

    Muss man nicht wenigstens eine gueltige Arbeitserlaubnis vorweisen? Da steht jedenfalls bei meiner mein Geburtsdatum inkl. Jahr drauf (und auch mein Geschlecht 😉 ) mit Foto (wg. ethnischer Herkunft/Hautfarbe etc.) Oder darf man die als Arbeitgeber erst anfordern, wenn man jemanden angeheuert hat? Merkwuerdig, das…

    Herzliche Gruesse,
    Anja

    • Hallo Anja, wieso „tschuldigung“? Ich freue mich über jedeN neuen LeserIn.
      Im Prinzip hast Du recht, aber in der Praxis fragt man natürlich keinen gebürtigen Amerikaner ob er eine Arbeitserlaubnis hat….

      Wo arbeitest Du denn dass Du eine Genehmigung brauchst?

    • Natürlich referiere ich:-))

      Und bei Herrn Mendweg isses auch ganz nett!

  5. Danke artigst, Frau Hirnwirr, *knicks*

    Herr Mendweg, ich bin ja hier ein „alien“ – ich bestitze keine Greencard oder so, „nur“ ein Visum. Daher musste ich eine „Employment Authorisation“ beantragen (und die ist jeweils immer nur fuer ein Jahr gueltig, d.h. jedes Jahr erneut beantragen und – natuerlich – die ordentliche Gebuehr bezahlen). OK, das ich kein gebuertiger Amerikaner sein koennte, merkt man an meinem Akzent sofort 😉 Ich bin davon ausgegangen, dass man die immer vorzeigen muss (oder halt den Pass oder aehnliches), da eine Sozialversicherungsnummer (die ja sowieso fuer die Steuer gebraucht wird, die der AG abfuehrt) ja kein Garant fuer einen ordnungsgemaess im Land lebenden UND hier arbeiten duerfenden Mitmenschen ist (Ist ja nicht das Gleiche). Macht man sich da als Arbeitgeber nicht sogar strafbar, wenn man das nicht prueft, oder so? Ich meine, mein aeltester Sohn spricht als „alien“ nahezu akzentfrei Englisch (da faellt mir ein, er koennte ja mal den Anrufbeantworter besprechen…) – anders als manch „gebuertiger“ Amerikaner – , trotzdem duerfte er hier nicht arbeiten. Oder kann ich jetzt meinen Chef wegen Diskriminierung verklagen? Nur theoretisch natuerlich …

    Ein erfolgreiches Casting!

    Anja.

  6. PS: Habe gerade festgestellt, dass ich auf dem Foto, welches auf der Arbeitserlaubnis prankt, ungefaehr 10 Jahre juenger aussehe – es ist so verwaschen, da sieht man keine Falte (nicht das ich welche haette *raeusper*), aber leider steht ja das Geburtsdatum mit drauf…

  7. Liebe Frau Anja,
    wie gesagt – anhand der Bewerbungsunterlagen sieht man ja den Herkunftsort des Kandidaten. Wenn der nun seinen Abschluss im Örtchen Wet Water in Kentucky gemacht und danach 4 Jahre lang bei der Navy Uboote neu angestrichen hat frage ich natürlich nicht nach der Arbeitserlaubnis.
    Letztendlich ist es hier wie überall – es gibt für jede Regel mindestens einen wunderbaren Weg drumrum. Du brauchst z.B. wenn der Mitarbeiter ein Dienstfahrzeug bewegt eine Kopie des Führerscheins für die Versicherung…
    Halt mal wider typisch Amerika. Genauso wie die Geschichte dass wir hier noch mal den Führerschein machen müssen 🙂

    • Oh, ja Fueherschein. Da habe ich auch eine schoene Geschichte parat. Waren die Frau eines (ebenfalls aus D delegierten) Kollegen meines Mannes und ich doch die einzigen, die zu der theoretischen Fuehrerscheinpruefung auch noch eine praktische machen mussten, da wir keine beglaubigte Uebersetzung unseres deutschen Fueherscheins dabei hatten. Die hatten natuerlich auch die Herren der Schoepfung nicht, aber da war es kein Problem – nach der bestandenen Theorie erhielten sie sofort das begehrte Plastikkaertchen. Nur soviel: Ich brauchte 3 Anlaeufe, um auf der Anlage der MVC einmal im Kreis herumzufahren (bis wir endlich das richtige Auto fuer die Pruefung hatten etc.). Dabei habe ich meinen Fueherschein seit 20 Jahren und komme auch Serpentinen in den Alpen bei Schneetreiben sicher runter, was ich – mit Verlaub – nicht von jedem amerikanischen Fueherscheinbestizer glauben wuerde. Als der Gatte mal zu fragen wagte, warum ich das ganze Procedere machen muesste er brauchte das ja auch nicht, war die Antwort der Prueferin (in etwa halb so alt wie ich, wenn ueberhaupt…): Das sei unmoeglich, solche Ausnahmen gaebe es ja schon mal gar nicht, das koennte sie sich gar nicht vorstellen. Ohne Worte. Im Nachhinein ist es natuerlich eine Story, aber damals fand ich das ueberhaupt nicht witzig. Die Kollegen des werten Gatten (auch die amerikanischen, die sich ja auch oft ueber solche Sachen aergern) sahen es als Soap-opera und waren direkt enttaescht, als ich endlich damit durch war.

      Ach ja, die Verwandschaft wartet schon jedesmal auf solche Stories, vielleicht sollte ich ja auch bloggen. 😉

      • Glücklich wer in NJ lebt und nur die Theorie machen muss. Beim ersten Mal bin ich allerdings auch an endgültig an der dämlich Frage gescheitert, wieviel Promille ein 18jähriger haben darf. Her Clever ging davon aus dass Allllohol unter 21 pfui und böse ist und hat NULL gesagt – dumm ist dass es auch hier Hustensaft gibt 🙂
        Über die nicht vorhandenen autofahrerischen Fähigkeiten der meisten Amerikaner lasse ich mich als Münchner Kindl definitiv nicht weiter aus. Am genialsten finde ich die ganzen eingeschneiten Jeeps vor den Türen wenn mal wieder Snow Emergency ist, weil sich niemand auf die Straße traut. Gut so!
        Bloggen kann sehr heilsam sein – sorgt zumindest dafür dass man nicht alles vergisst. Besonders wenn der Nachwuchs einen immer öfter erinnert was „damals“ war… 🙂

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